Black and white photo of soldiers in historical military uniforms marching outdoors.

Karriere-Strategien mit Sunzi: Kapitel 9 „Der Marsch“ erklärt – Wie du im Job mit der richtigen Position und klaren Signalen effizienter arbeitest

Wie überträgt man Sunzis „Die Kunst des Krieges“ auf den modernen Arbeitsalltag?
Dieser Artikel analysiert Kapitel 9 „Der Marsch“ und zeigt, wie du im Job durch die richtige Positionierung, das Erkennen von Signalen und klare Disziplin effizienter arbeitest. Lerne praxisnahe Strategien für Projektmanagement, Teamführung und Selbstorganisation – und erreiche mit weniger Aufwand stabilere Ergebnisse.

Einleitung: Wirklich erfolgreiche Menschen arbeiten nicht nur hart – sie wissen auch, wo sie gerade stehen

Im Berufsleben hören wir häufig einen Satz: „Wenn man sich nur genug anstrengt, wird man zwangsläufig Ergebnisse erzielen.“

Natürlich ist Einsatz wichtig. Doch je länger man arbeitet, desto deutlicher wird: Manche Menschen sind offensichtlich sehr engagiert, und trotzdem scheint ihnen jede Aufgabe besonders schwerzufallen. Andere wiederum wirken nicht so, als würden sie jeden Tag Überstunden machen, und schaffen es dennoch, kontinuierlich gute Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig das Vertrauen von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden zu gewinnen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gruppen liegt nicht unbedingt in den Fähigkeiten. Manchmal geht es vielmehr darum, ob man in der Lage ist, die eigene Umgebung richtig einzuschätzen.

Anstrengung bedeutet, vorwärtszugehen. Die Umgebung richtig einzuschätzen bedeutet dagegen, zuerst den Weg klar zu erkennen.

Wenn die Richtung falsch ist, entfernt man sich vom Ziel umso weiter, je schneller man voranschreitet. Und wenn man an der falschen Stelle steht, kann selbst große Kompetenz dazu führen, dass man überall eingeschränkt wird. Umgekehrt gilt: Wenn du an einem Ort stehst, der zu dir passt, den richtigen Zeitpunkt erwischst und gleichzeitig die Signale verstehst, die deine Umgebung aussendet, müssen viele Dinge nicht mit Gewalt durchgesetzt werden – sie können sich dennoch erfolgreich und reibungslos entwickeln.

Im neunten Kapitel des Sunzi Bingfa – „Marschieren“ (Xingjun) – geht es darum, wie eine Armee marschiert, wie sie Gelände auswählt, die Lage des Gegners beobachtet und ihre Soldaten führt. Auf den ersten Blick scheint dies weit von der modernen Arbeitswelt entfernt zu sein. Wenn wir jedoch „Marschieren“ als das Vorankommen in der beruflichen Laufbahn verstehen, „Gelände“ als das organisatorische Umfeld, „die Lage des Gegners“ als die äußeren Rahmenbedingungen und „die Führung der Armee“ als Teammanagement, entdecken wir darin zahlreiche äußerst praktische Weisheiten für den Berufsalltag.

Sunzi erinnert uns daran, dass man im Krieg nicht nur auf die Anzahl der Soldaten schauen darf. Ebenso wichtig sind die eigene Position, der richtige Zeitpunkt zum Voranschreiten, Veränderungen in der Umgebung und die Frage, ob die Moral und Stabilität der Menschen gewahrt bleiben. Im Berufsleben ist es genauso. Wirklich reife Berufstätige stürmen nicht sofort los, sobald ein Problem auftaucht. Sie führen auch nicht jede Schwierigkeit darauf zurück, dass sie selbst nicht hart genug gearbeitet hätten. Stattdessen halten sie zunächst inne und beobachten:

  • Ist die Position, an der ich mich gerade befinde, für mich vorteilhaft?
  • Kann dieses Team mir ermöglichen, meine Stärken voll einzusetzen?
  • Stimmen die Aussagen meines Vorgesetzten mit seinem tatsächlichen Handeln überein?
  • Wirkt das Unternehmen oberflächlich ruhig, während sich im Hintergrund bereits etwas verändert?
  • Ist diese Gelegenheit wirklich eine Chance – oder lediglich eine Falle, die nur gut verpackt ist?
  • Sollte ich jetzt vorangehen, abwarten oder mich vorübergehend zurückziehen?
  • Wie kann ich Vertrauen aufbauen und gleichzeitig meine Prinzipien und persönlichen Grenzen wahren?

Unter „Überleben im Berufsleben“ sollte man nicht verstehen, dass man ständig taktieren oder Kollegen als Feinde betrachten soll. Die eigentliche Bedeutung besteht darin, auch in komplexen Umgebungen einen klaren Kopf zu bewahren und zu wissen, wann man sich anstrengen, wann man beobachten und wann man seine Position verändern sollte.

Im Leben verliert man manchmal nicht deshalb, weil man sich nicht genug angestrengt hat, sondern weil man sich in einer ungünstigen Umgebung befindet und trotzdem nur weiß, wie man den Kopf senkt und sich weiter durchkämpft. Genau das möchte uns das Kapitel „Marschieren“ lehren: die Umgebung richtig zu verstehen, Signale zu erkennen und Beziehungen bewusst zu gestalten, damit jeder einzelne Schritt sicherer und zielgerichteter wird.


Originaltext aus „Die Kunst des Krieges – Kapitel 9: Der Marsch“

Sunzi sagte:
Wenn ein Heer dem Feind gegenübersteht: Beim Überschreiten von Bergen soll man Täler nutzen, sich an lebendigen Orten aufhalten und hohe Positionen beobachten. Gegen einen Feind auf einer Anhöhe soll man nicht bergauf angreifen – das ist die Strategie im Gebirge.

Beim Überschreiten von Wasser soll man sich weit vom Wasser entfernen. Wenn der Feind das Wasser überquert, soll man ihn nicht im Wasser angreifen, sondern warten, bis er halb übergesetzt ist – dann ist der Angriff vorteilhaft. Wenn man kämpfen will, darf man den Feind nicht direkt am Wasser empfangen, sondern muss sich auf höherem Gelände positionieren – das ist die Strategie am Wasser.

Wenn man Sümpfe überquert, soll man sie schnell verlassen und nicht bleiben. Wenn man im Sumpf kämpfen muss, soll man sich an Wasser und Gras halten und mit dem Rücken zu den Bäumen stehen – das ist die Strategie im Sumpf.

Auf der Ebene soll man leichtes Gelände wählen, mit einer höheren Position im Rücken und einem offenen Bereich vor sich – das ist die Strategie auf der Ebene. Diese vier Prinzipien sind der Grund, warum der Gelbe Kaiser vier andere Herrscher besiegte.

Ein Heer liebt hohe Orte und vermeidet tiefe. Es schätzt sonnige Plätze und meidet Schatten. Wenn es an einem guten Ort steht und versorgt ist, wird es kaum krank – das ist der Weg zum sicheren Sieg.

Hügel, Dämme und Anhöhen sollte man auf der Sonnenseite besetzen und sie im Rücken haben – das ist der Vorteil des Geländes. Wenn nach Regen das Wasser noch fließt, soll man warten, bis es sich beruhigt hat.

Es gibt gefährliche Orte wie tiefe Schluchten, natürliche Fallen oder enge Spalten – man muss sie schnell verlassen und sich fernhalten. Wenn wir sie meiden und der Feind sich ihnen nähert, gewinnen wir einen Vorteil.

Wenn sich neben dem Heer Hindernisse, Wassergruben, Schilf, Wälder oder dichtes Gestrüpp befinden, muss man sie sorgfältig untersuchen – dort können sich Hinterhalte verbergen.

Wenn der Feind nahe ist und ruhig bleibt, verlässt er sich auf seine Position. Wenn er weit entfernt ist und zum Kampf provoziert, will er dich vorlocken. Wenn sein Lager leicht zu verteidigen ist, ist es zu seinem Vorteil.

Wenn viele Bäume sich bewegen, kommt der Feind. Wenn hohes Gras die Sicht blockiert, ist Vorsicht geboten. Wenn Vögel plötzlich auffliegen, versteckt sich etwas. Wenn Tiere erschrecken, gibt es einen Hinterhalt.

Staub zeigt Bewegung: hoher und scharfer Staub bedeutet Wagen; niedriger und breiter Staub bedeutet Fußsoldaten; verstreuter Staub bedeutet Holzsammler; wenig Staub mit Bewegung bedeutet Lagerbau.

Wenn der Feind bescheiden spricht, sich aber stark vorbereitet, wird er angreifen. Wenn er aggressiv spricht und vorstößt, wird er sich zurückziehen. Wenn leichte Wagen zuerst erscheinen, bereitet er eine Formation vor. Wenn er ohne Vereinbarung Frieden anbietet, steckt eine Strategie dahinter.

Wenn er sich bewegt und Truppen aufstellt, plant er einen Zeitpunkt. Wenn er halb vorwärts und halb zurückgeht, will er dich locken. Wenn Soldaten sich auf ihre Waffen stützen, sind sie hungrig. Wenn sie zuerst trinken, sind sie durstig. Wenn sie Vorteile sehen, aber nicht angreifen, sind sie erschöpft.

Wenn sich Vögel versammeln, ist das Lager leer. Wenn nachts geschrien wird, herrscht Angst. Wenn das Heer unruhig ist, fehlt dem General Autorität. Wenn die Fahnen sich bewegen, herrscht Chaos.

Wenn Offiziere wütend sind, sind sie erschöpft. Wenn Pferde geschlachtet werden, fehlt Nahrung. Wenn Soldaten nicht ins Lager zurückkehren, sind sie verzweifelt. Wenn man zu oft belohnt, ist das Heer in Schwierigkeiten; wenn man zu oft bestraft, ist es erschöpft.

Ein Heer braucht nicht unbedingt viele Soldaten. Es reicht, den Feind richtig einzuschätzen und vereint zu handeln. Wer den Feind unterschätzt, wird sicher gefangen.

Wenn Soldaten noch kein Vertrauen haben und man sie bestraft, werden sie nicht gehorchen. Wenn sie Vertrauen haben und Strafen nicht umgesetzt werden, sind sie ebenfalls unbrauchbar. Deshalb müssen Regeln klar erklärt und konsequent umgesetzt werden – das führt zum Sieg.


一、Die richtige Position im Gelände ist wichtiger als blindes Voranstürmen 🧭

Zu Beginn des Kapitels „Marschieren“ (Xingjun) erklärt Sunzi, wie eine Armee in unterschiedlichen Umgebungen – etwa in Bergregionen, an Gewässern, in Sumpfgebieten und auf ebenem Gelände – ihre Position wählen sollte. Jedes Gelände birgt andere Risiken und kann daher nicht mit ein und derselben Methode bewältigt werden.

Die erste wichtige Lehre für das Berufsleben lautet daher:

Deine Fähigkeiten bestimmen, was du tun kannst. Die Umgebung entscheidet jedoch darüber, ob du diese Fähigkeiten tatsächlich entfalten kannst.

Ein Mensch kann beispielsweise sehr kreativ sein. Wenn er jedoch in ein Team kommt, das ausschließlich Gehorsam erwartet und keine Experimente zulässt, und jedes Mal neue Ideen abgelehnt werden, beginnt er möglicherweise mit der Zeit, an seinen eigenen Fähigkeiten zu zweifeln.

Ein anderer Mensch ist vielleicht besonders gut in Analyse, Planung und Risikomanagement. Wenn die Unternehmenskultur jedoch ausschließlich Geschwindigkeit belohnt und Qualität kaum berücksichtigt, kann seine sorgfältige Vorgehensweise fälschlicherweise als mangelnde Schnelligkeit oder zu langsames Handeln wahrgenommen werden.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass jemand Recht oder Unrecht hat. Entscheidend ist vielmehr, ob Mensch und Umgebung zueinander passen.

1. Was gehört im Berufsleben zum „Gelände“?

Das „Gelände“ im Berufsleben umfasst nicht nur die Größe eines Unternehmens oder den Standort des Büros. Dazu gehören auch:

  • die Unternehmenskultur und die Werte des Unternehmens
  • der Führungsstil des Vorgesetzten
  • die Atmosphäre der Zusammenarbeit im Team
  • die Frage, ob die Aufgaben sinnvoll und gerecht verteilt sind
  • das System für Beförderungen und Belohnungen
  • die Entwicklungstrends der jeweiligen Branche
  • die eigene Position innerhalb der Organisation
  • der vorhandene Spielraum für Fehler und die Möglichkeiten zum Lernen
  • die Möglichkeit, dass die eigenen Fähigkeiten gesehen und anerkannt werden

Wenn du dich deshalb für eine Stelle, eine Abteilung oder ein Projekt entscheidest, solltest du nicht nur auf die Berufsbezeichnung und das Gehalt schauen. Ebenso wichtig ist die Frage, ob dieses „Gelände“ zu dir passt.

2. Schiebe nicht alle Probleme der Umgebung dir selbst zu

Viele engagierte Menschen reagieren auf Schwierigkeiten zunächst mit dem Gedanken: „Bin ich vielleicht einfach nicht gut genug?“

Selbstreflexion ist grundsätzlich etwas Gutes. Wenn man jedoch jeden Rückschlag ausschließlich sich selbst zuschreibt, kann man leicht in einen endlosen Kreislauf innerer Selbstzweifel und Erschöpfung geraten.

Stell dir beispielsweise ein Team vor, dessen Ziele sich ständig verändern, in dem Verantwortlichkeiten unklar verteilt sind, Informationen nicht transparent weitergegeben werden und der Vorgesetzte getroffene Entscheidungen regelmäßig kurzfristig wieder zurücknimmt. Unter solchen Bedingungen ist es selbst für einen sehr kompetenten Menschen schwierig, dauerhaft stabile Ergebnisse zu erzielen. Was verbessert werden muss, liegt dann möglicherweise nicht in deiner Arbeitseinstellung, sondern in der Art der Kommunikation, im Entscheidungsprozess oder sogar in der Position, die du innerhalb der Organisation innehast.

Bevor du dich noch mehr anstrengst, solltest du zuerst das Gelände betrachten. Denn manche Probleme erfordern bessere Fähigkeiten, während andere eine andere Vorgehensweise oder sogar eine Veränderung der Umgebung erfordern.


二、„Eine Armee bevorzugt die Höhe und meidet die Tiefe“: Stelle dich an einen höheren Punkt der Information und des Überblicks 🔭

Sunzi sagt: „凡軍好高而惡下,貴陽而賤陰。“

Eine Armee sollte möglichst höhere, helle und offene Positionen wählen und tiefe, dunkle oder leicht zu kontrollierende Gebiete vermeiden. Auf das Berufsleben übertragen bedeutet dies nicht, dass wir um eine höhere Position kämpfen sollen. Vielmehr erinnert uns dieser Gedanke daran, dass wir versuchen sollten, aus einer Position mit besserem Überblick und klareren Informationen über die Situation nachzudenken.

1. Kenne nicht nur die Aufgabe, die gerade vor dir liegt

Viele Menschen sind jeden Tag damit beschäftigt, Aufgaben abzuarbeiten, wissen aber nicht genau:

  • Warum muss diese Aufgabe überhaupt erledigt werden?
  • Wessen Problem soll am Ende damit gelöst werden?
  • Welche Aufgabe ist für den Vorgesetzten am wichtigsten?
  • Was ist das eigentliche Ziel des Unternehmens?
  • Was kann verschoben werden, wenn die Zeit nicht ausreicht?
  • Welche Menschen oder Bereiche werden von meinen Ergebnissen beeinflusst?

Wenn du nur auf die unmittelbar vor dir liegende Arbeit schaust, besteht leicht die Gefahr, sehr viel zu erledigen und trotzdem am Wesentlichen vorbeizuarbeiten.

Aus der „Höhe“ zu denken bedeutet, sich von der reinen Aufgabenerledigung hin zum Verständnis des eigentlichen Zwecks zu bewegen. Wenn du den Hintergrund einer Aufgabe, die relevanten Interessengruppen und das erwartete Ergebnis kennst, kannst du deine Zeit gezielter einsetzen und leichter wertvolle Vorschläge machen.

2. Triff keine wichtigen Entscheidungen, wenn dir Informationen fehlen

Der „tiefe“ Bereich im Berufsleben ist häufig eine Position, aus der heraus man nur über unvollständige Informationen verfügt.

Zum Beispiel hört man nur, wie sich ein Kollege über den Vorgesetzten beschwert, und kommt sofort zu dem Schluss, dass der Vorgesetzte das Problem ist. Oder man sieht, dass eine bestimmte Abteilung plötzlich sehr viel zu tun hat, und vermutet sofort, dass das Unternehmen kurz vor einer Umstrukturierung steht. Oder man wird einmal abgelehnt und glaubt deshalb, dass die eigene Leistung oder Person nicht wertgeschätzt wird.

Wenn Informationen fehlen, neigt unser Gehirn dazu, die Lücken mit eigenen Vorstellungen zu füllen. Und diese Vorstellungen sind häufig beunruhigender als die Realität selbst.

Sich auf eine „höhere Ebene“ der Information zu begeben bedeutet, mehrere Fragen zu stellen, zusätzliche Informationsquellen zu suchen und tatsächliche Handlungen genauer zu beobachten. Man sollte nicht allein aufgrund eines Satzes oder eines einzelnen Ereignisses ein Urteil über die gesamte Situation fällen.


三、Wenn die Strömung noch nicht zur Ruhe gekommen ist, solltest du nicht vorschnell den Fluss überqueren 🌊

Im Kapitel „Marschieren“ heißt es: „上雨水沫至,欲涉者,待其定也。“

Wenn es flussaufwärts regnet und die Strömung plötzlich stärker wird, sollte man den Fluss nicht sofort überqueren, sondern warten, bis sich das Wasser etwas beruhigt hat. Auf das Leben und das Berufsleben übertragen bedeutet dies:

In einer unklaren und chaotischen Situation ist Abwarten nicht unbedingt ein Rückzug – es kann auch die rationalste Entscheidung sein.

Wenn ein Unternehmen gerade einen neuen Vorgesetzten bekommt, sich mitten in einer Umstrukturierung befindet, die zukünftige Ausrichtung einer Abteilung noch nicht feststeht oder eine neue Richtlinie gerade erst bekannt gegeben wurde, entstehen häufig zahlreiche Spekulationen. Manche Menschen beeilen sich, sich auf eine Seite zu stellen, andere wollen sofort ihre Haltung deutlich machen, und wieder andere kündigen aus Angst oder Unsicherheit impulsiv.

Doch solange die Informationen noch nicht klar sind, muss schnelles Handeln nicht unbedingt von Vorteil sein.

1. In welchen Situationen ist es sinnvoll, zunächst zu beobachten?

  • Ein neuer Vorgesetzter hat gerade seine Position übernommen, und sein Führungsstil ist noch nicht klar erkennbar.
  • Das Unternehmen hat eine Umstrukturierung angekündigt, aber die Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
  • Ein Konflikt im Team befindet sich gerade auf einem emotionalen Höhepunkt.
  • Ein Kunde hat seine Anforderungen plötzlich geändert, während es intern noch keinen Konsens gibt.
  • Du hast ein Jobangebot erhalten, aber Verantwortlichkeiten und Bedingungen sind noch nicht eindeutig.
  • Du selbst befindest dich gerade in einem Zustand von Erschöpfung, Wut oder Verletztheit.

In einer solchen Situation kann man zunächst die bekannten Informationen ordnen, überprüfen, was tatsächlich Fakt ist und was lediglich eine Vermutung darstellt, und für unterschiedliche Entwicklungen entsprechende Handlungsoptionen vorbereiten.

Abwarten bedeutet nicht, nichts zu tun. Es bedeutet vielmehr, in einer noch instabilen Situation keine Entscheidung zu treffen, die später nur schwer rückgängig gemacht werden kann.

2. Triff keine Entscheidungen mitten in einer emotionalen Flut

Wenn Menschen wütend, verängstigt oder extrem erschöpft sind, verwechseln sie leicht ein kurzfristiges Unwohlsein mit einer langfristigen Wahrheit.

Einmal vom Vorgesetzten kritisiert zu werden, bedeutet nicht, dass man keinen Wert hat. Auch ein einmalig gescheitertes Projekt bedeutet nicht, dass die berufliche Laufbahn am Ende ist. Lass deine Emotionen zunächst zur Ruhe kommen und entscheide dann, wie du reagieren möchtest. Das ist meistens wirkungsvoller, als sofort zurückzuschlagen.

Wirklich reife Menschen sind nicht frei von Emotionen. Sie lassen jedoch nicht zu, dass ihre Emotionen die endgültige Entscheidung für sie treffen.


四、Gefährliches Gelände im Berufsleben erkennen – Beweise deine Willenskraft nicht im Sumpf ⚠️

Sunzi erinnert uns daran, dass man bei ungünstigem Gelände wie „tiefen Schluchten, natürlichen Senken, natürlichen Gefängnissen, natürlichen Fallen, natürlichen Vertiefungen und engen Spalten“ möglichst schnell Abstand gewinnen und diese Orte meiden sollte. Sobald eine Armee in eine solche Situation gerät, kann es sehr schwierig werden, sich vorwärts oder rückwärts zu bewegen.

Auch im Berufsleben gibt es solche „gefährlichen Gelände“, in denen man leicht immer tiefer hineingerät.

1. Häufige berufliche „Sümpfe“

  • Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten sind unklar, doch wenn etwas schiefgeht, sollst du die Verantwortung übernehmen.
  • Die Ziele ändern sich ständig, während die notwendigen Ressourcen nie wirklich bereitgestellt werden.
  • Der Vorgesetzte verlangt absoluten Gehorsam, ist aber nicht bereit, Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen.
  • Das Team versucht seit Langem, Managementprobleme durch Überstunden auszugleichen.
  • Nach außen wird Kommunikation gefördert, tatsächlich sind abweichende Meinungen jedoch unerwünscht.
  • Gute Leistungen werden als selbstverständlich angesehen, während Fehler öffentlich kritisiert werden.
  • Es werden viele Versprechungen gemacht, aber nie konkrete Maßnahmen oder Vereinbarungen getroffen.
  • Die Situation führt langfristig zu Angst, Selbstzweifeln und möglicherweise sogar zu einer Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens.

Wenn du mit solchen Situationen konfrontiert bist, solltest du dir nicht einfach sagen: „Ich muss nur noch ein bisschen durchhalten.“ Du musst beurteilen, ob es sich um kurzfristige Turbulenzen oder um ein langfristiges strukturelles Problem handelt.

Kurzfristige Probleme lassen sich häufig durch Kommunikation und Anpassungen verbessern. Wenn sich strukturelle Probleme jedoch über längere Zeit nicht verändern, solltest du für dich selbst andere Möglichkeiten vorbereiten.

2. Zu gehen bedeutet nicht, gescheitert zu sein

Manchmal wollen wir eine Situation nicht verlassen, nicht weil die Umgebung es wert wäre, zu bleiben, sondern weil wir uns nicht damit abfinden können.

Je mehr Zeit wir investiert haben, desto stärker entsteht der Wunsch, das Ergebnis doch noch zu unseren Gunsten zu verändern. Doch bereits investierte Kosten sind nicht zwangsläufig ein Grund, weiterhin zu investieren. Eine falsche Richtung wird nicht automatisch richtig, nur weil du dich noch stärker anstrengst.

Eine ungesunde Umgebung rechtzeitig zu verlassen bedeutet nicht, vor Problemen davonzulaufen. Es bedeutet, die eigene Kraft nicht länger zu verschwenden.

Im Leben geht es nicht darum, wer am längsten aushalten kann. Entscheidend ist vielmehr, wer genügend Kraft bewahren kann, um den Ort zu erreichen, an den er wirklich gelangen möchte.


五、Signale richtig lesen – Höre nicht nur auf die Worte an der Oberfläche 👀

Im Kapitel „Marschieren“ gibt es einen längeren Abschnitt, der sich damit beschäftigt, wie man anhand von Vögeln und Tieren, Staub, Flaggen, dem Zustand der Soldaten sowie dem Verhalten und den Äußerungen des Gegners die tatsächliche Situation beurteilen kann.

Zum Beispiel:

  • Ungewöhnliche Bewegungen oder Geräusche in den Bäumen können darauf hindeuten, dass sich jemand nähert.
  • Wenn plötzlich ein Schwarm Vögel auffliegt, könnten sich in der Nähe Menschen verstecken oder einen Hinterhalt vorbereiten.
  • Wenn jemand bescheiden und zurückhaltend spricht, gleichzeitig aber seine Vorbereitungen ständig verstärkt, könnte dies darauf hindeuten, dass er einen Vorstoß plant.
  • Wenn jemand sehr entschlossen oder aggressiv spricht, sich gleichzeitig aber zurückzieht, könnte dies bedeuten, dass er einen Rückzug vorbereitet.
  • Wenn häufig Belohnungen ausgesprochen werden, kann dies darauf hindeuten, dass die Situation bereits angespannt oder schwierig geworden ist.
  • Wenn häufig Strafen verhängt werden, kann dies darauf hindeuten, dass die Führung bereits in Schwierigkeiten geraten ist.

All diese Beobachtungen weisen gemeinsam auf eine wichtige Erkenntnis hin:

Um eine Situation richtig einzuschätzen, reicht es nicht, nur darauf zu hören, was jemand sagt. Man muss auch beobachten, was diese Person immer wieder tatsächlich tut.

1. Worte sind eine Erklärung – Handlungen sind eine Entscheidung

Ein Vorgesetzter sagt, dass ihm Talente wichtig sind, doch das Weiterbildungsbudget wird ständig gestrichen. Ein Unternehmen sagt, dass es Innovation fördern möchte, doch bei jedem Fehler wird die Verantwortung einer einzelnen Person zugeschoben. Ein Team sagt, dass es Meinungen willkommen heißt, doch in Besprechungen werden diejenigen, die Fragen stellen, immer wieder unterbrochen.

In solchen Situationen sind es die tatsächlichen Regeln und Handlungen, die wirklich beachtet werden sollten – nicht die Slogans.

Genauso kann ein Vorgesetzter im Alltag vielleicht nicht besonders gut darin sein, ermutigende Worte zu finden. Wenn er dir jedoch wichtige Aufgaben anvertraut, sich für die notwendigen Ressourcen einsetzt und bei Problemen gemeinsam mit dir Verantwortung übernimmt, können seine Handlungen deutlich mehr Gewicht haben als schöne Worte.

2. Ungewöhnliche Veränderungen zu beobachten ist wichtiger als das Normale zu beobachten

Signale verbergen sich häufig in plötzlich auftretenden Veränderungen, zum Beispiel:

  • Eine Person, die normalerweise sehr aktiv ihre Meinung äußert, wird plötzlich still.
  • Informationen, die früher transparent zugänglich waren, werden plötzlich nur noch innerhalb eines kleinen Personenkreises ausgetauscht.
  • Der Vorgesetzte fragt plötzlich ungewöhnlich häufig nach Details zu laufenden Arbeiten.
  • Das Unternehmen verlangt plötzlich sehr umfangreiche Kostenanalysen.
  • Die Abteilung stellt keine neuen Mitarbeiter mehr ein, und die Aufgaben ausgeschiedener Mitarbeiter werden einfach auf die verbleibenden Mitarbeiter verteilt.
  • Die Zahl der Besprechungen nimmt stark zu, aber die Geschwindigkeit der Entscheidungen wird gleichzeitig langsamer.
  • Teams, die normalerweise reibungslos zusammenarbeiten, beginnen plötzlich, sich gegenseitig misstrauisch zu beobachten.

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet nicht automatisch, dass ein Problem vorliegt. Wenn jedoch mehrere ungewöhnliche Entwicklungen gleichzeitig auftreten, ist es sinnvoll, die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Signale richtig zu lesen bedeutet nicht, überall Misstrauen zu sehen. Es bedeutet vielmehr, zu vermeiden, dass man erst dann erkennt, was passiert, wenn die Situation bereits vollständig eskaliert ist und man völlig unvorbereitet dasteht.


六、Lass dich nicht von Provokationen steuern – Frage zuerst, was die andere Person von dir erreichen möchte 🎯

Sunzi sagt: „遠而挑戰者,欲人之進也。“ Wenn ein Gegner aus der Ferne aktiv eine Herausforderung ausspricht, möchte er den anderen möglicherweise dazu verleiten, vorzurücken.

Auch Provokationen im Berufsleben können eine ähnliche Wirkung haben. Jemand könnte absichtlich eine provozierende Bemerkung machen, damit du dich sofort beweisen möchtest. Jemand könnte dir eine unrealistische Frist setzen und dich dadurch zu einer sofortigen Zusage drängen. Oder jemand nutzt dein Verantwortungsbewusstsein aus, um dir Aufgaben zu übertragen, die ursprünglich gar nicht in deinen Zuständigkeitsbereich gehören.

Wenn du mit solchen Situationen konfrontiert bist, solltest du nicht sofort zurückschlagen. Frage dich zunächst:

  • Warum sagt die andere Person genau jetzt diese Worte?
  • Welche unmittelbare Reaktion möchte sie von mir erreichen?
  • Wer profitiert davon, wenn ich ihrem Tempo und ihrer Vorgehensweise folge?
  • Muss diese Angelegenheit wirklich jetzt entschieden werden?
  • Verfüge ich über genügend Informationen?

Zum Beispiel könnte jemand sagen: „Das ist doch eine ganz einfache Aufgabe. Du wirst das doch wohl schaffen, oder?“

Wenn du dich sofort beweisen möchtest, könntest du vorschnell eine unrealistische Frist akzeptieren. Eine ruhigere und souveränere Antwort könnte sein: „Ich kann mich darum kümmern. Allerdings muss ich zunächst die Prioritäten und den Liefertermin klären, damit ich die Qualität sicherstellen kann.“

Wahre Stärke bedeutet nicht, jede Herausforderung frontal anzunehmen. Sie bedeutet, sich nicht vom Tempo und den Emotionen anderer Menschen kontrollieren zu lassen.


七、Nicht die Anzahl der Soldaten ist entscheidend – entscheidend ist, ob du deine Kräfte bündeln kannst 📌

Sunzi sagt: „兵非貴益多。“ Eine Armee wird nicht allein dadurch besser, dass sie größer wird. Entscheidend ist vielmehr, ob sie ihre Kräfte konzentrieren, die Lage des Gegners richtig einschätzen und die vorhandenen Talente effektiv einsetzen kann.

Diese Erkenntnis ist für moderne Berufstätige besonders wichtig, denn wir neigen leicht dazu, „beschäftigt zu sein“ mit „Ergebnisse zu erzielen“ zu verwechseln.

Jeden Tag zahlreiche Nachrichten zu beantworten, an unzähligen Besprechungen teilzunehmen und gleichzeitig mehr als zehn Aufgaben zu übernehmen, sieht nach großem Einsatz aus. Trotzdem kann es passieren, dass die wirklich wichtigen Dinge nicht tatsächlich abgeschlossen werden.

1. Viele Aufgaben zu haben bedeutet nicht, einen hohen Wert zu schaffen

Wirklich effiziente Menschen sind nicht diejenigen, die alles erledigen, sondern diejenigen, die wissen, welche Aufgaben zuerst erledigt werden müssen.

Du kannst dir jeden Tag drei Fragen stellen:

  1. Welche Aufgabe bringt mich heute dem zentralen Ziel am nächsten?
  2. Welche Aufgabe hätte die größten Auswirkungen, wenn sie nicht erledigt wird?
  3. Welche Aufgaben können verschoben, vereinfacht, delegiert oder gestrichen werden?

Wenn du deine Kräfte auf einige wenige wichtige Aufgaben konzentrierst, sind die Ergebnisse normalerweise besser, als wenn du deine Energie gleichmäßig auf alle Aufgaben verteilst.

2. Dränge nicht unvorbereitet voran, nur um Stärke zu beweisen

Sunzi erinnert uns außerdem daran: „夫惟無慮而易敵者,必擒于人。“

Wer nicht ausreichend nachdenkt und seinen Gegner unterschätzt, gerät besonders leicht in Schwierigkeiten. Im Berufsleben kann „den Gegner unterschätzen“ bedeuten, die Schwierigkeit einer Aufgabe zu unterschätzen, relevante Interessengruppen zu übersehen, die verfügbaren Ressourcen nicht zu prüfen oder allein aus Begeisterung heraus eine Zusage zu machen.

Selbstvertrauen bedeutet, darauf zu vertrauen, dass man ein Problem bewältigen kann. Sich starkzustellen bedeutet dagegen, so zu tun, als würde das Problem gar nicht existieren.

Bevor du eine wichtige Aufgabe übernimmst, solltest du zunächst Umfang, Zeitrahmen, Qualitätsanforderungen, Ressourcen und Risiken klären. Das bedeutet nicht, dass dir die Fähigkeiten fehlen. Es bedeutet vielmehr, dass du Verantwortung für das Ergebnis übernimmst.


八、Menschen führen: Zuerst Vertrauen aufbauen, dann über Anforderungen und Disziplin sprechen 🤝

Der letzte Abschnitt des Kapitels „Marschieren“ beschäftigt sich damit, wie man Soldaten führt und verwaltet:

„卒未親附而罰之,則不服;不服則難用。卒已親附而罰不行,則不可用。“

Gemeint ist: Wenn die Soldaten noch kein Vertrauen aufgebaut haben und sich dem Anführer noch nicht verbunden fühlen, werden sie sich nicht wirklich fügen, wenn man sie sofort bestraft. Doch selbst wenn bereits eine Beziehung aufgebaut wurde, kann ein Team ohne jede Disziplin nicht funktionieren.

Das ist ein Prinzip, über das insbesondere Vorgesetzte und Führungskräfte nachdenken sollten.

1. Nur Forderungen ohne Vertrauen führen nicht zu echtem Engagement

Wenn ein neuer Vorgesetzter gerade erst seine Position übernommen hat, das Team noch nicht wirklich kennt und sofort Regeln verändert, Mitarbeiter öffentlich kritisiert und von allen verlangt, ihre Loyalität zu beweisen, kann dies kurzfristig zwar Gehorsam erzeugen. Langfristig verliert er dadurch jedoch leicht das Vertrauen und die Unterstützung der Menschen.

Vertrauen entsteht häufig durch einige scheinbar ganz gewöhnliche Handlungen:

  • Bereitschaft, sich die Schwierigkeiten der Teammitglieder anzuhören
  • Die Gründe hinter einer Entscheidung erklären
  • Versprechen nach Möglichkeit einhalten
  • Bei Problemen zunächst die Situation verstehen
  • Chancen und Verantwortung fair verteilen
  • Erfolge dem Team zuschreiben und Verantwortung nicht willkürlich auf einzelne Personen abwälzen

Menschen folgen langfristig nicht deshalb, weil sie Angst vor Bestrafung haben, sondern weil sie darauf vertrauen, dass es sich lohnt, mit einer Führungskraft zusammenzuarbeiten.

2. Nur Beziehungen ohne Prinzipien führen ebenfalls nicht weit

Andererseits bedeutet der Aufbau von Vertrauen nicht, dass man bei allem ein Auge zudrücken sollte.

Wenn jemand regelmäßig Fristen nicht einhält, Verantwortung abschiebt oder die Zusammenarbeit beeinträchtigt, die Führungskraft jedoch aus Angst vor Konflikten nichts dagegen unternimmt, werden sich gerade diejenigen, die gewissenhaft arbeiten, schnell ungerecht behandelt fühlen.

Gute Führung erfordert sowohl „Zivilität“ als auch „Durchsetzungsfähigkeit“.

„Zivilität“ kann man als Kommunikation, Fürsorge, Erklärung und Unterstützung verstehen; „Durchsetzungsfähigkeit“ steht dagegen für Regeln, Verantwortung, Grenzen und notwendige Konsequenzen. Nur wenn beide Seiten im Gleichgewicht sind, kann ein Team sowohl Sicherheit als auch die notwendige Umsetzungskraft entwickeln.


九、Regeln müssen langfristig konsequent angewendet werden – Führung darf nicht von der Stimmung abhängen ⚖️

Sunzi sagt: „令素行以教其民,則民服;令不素行以教其民,則民不服。“

Wenn Regeln bereits im normalen Alltag konsequent umgesetzt werden, akzeptieren und respektieren die Menschen sie ganz natürlich. Wenn Regeln dagegen plötzlich auftauchen und sich die Maßstäbe ständig verändern, fällt es den Menschen schwer, sie zu akzeptieren.

Was Menschen im Berufsleben oft am meisten erschöpft, ist nicht unbedingt Strenge, sondern Unberechenbarkeit.

Heute sagt der Vorgesetzte, dass Qualität am wichtigsten sei, und am nächsten Tag macht er das Team wegen mangelnder Geschwindigkeit verantwortlich. Bei einem Fehler wird eine Person dieses Mal streng bestraft, während dasselbe Verhalten beim nächsten Mal ignoriert wird, weil es sich um einen vertrauten Mitarbeiter handelt. Mit der Zeit verlieren die Mitarbeiter das Vertrauen in das System und müssen ihre Energie stattdessen darauf verwenden, die Stimmung des Vorgesetzten an diesem Tag einzuschätzen.

Eine stabile Führung sollte zumindest Folgendes gewährleisten:

  1. Die Maßstäbe werden im Voraus klar erklärt.
  2. Für vergleichbare Situationen gelten dieselben Grundsätze.
  3. Wenn sich eine Richtlinie ändert, werden die Gründe dafür erklärt.
  4. Belohnungen und Verantwortlichkeiten müssen miteinander im Einklang stehen.
  5. Regeln dürfen nicht aufgrund persönlicher Vorlieben oder Abneigungen verändert werden.

Für den Einzelnen gilt dasselbe. Wenn du möchtest, dass andere dir vertrauen, müssen deine Handlungen eine gewisse Beständigkeit zeigen. Halte Zusagen nach Möglichkeit ein, sprich Schwierigkeiten frühzeitig an und begegne unterschiedlichen Menschen mit einem grundlegenden Maß an Respekt.

Zuverlässigkeit ist vielleicht nicht die auffälligste Eigenschaft, aber sie gehört zu den besonders seltenen und wertvollen Fähigkeiten im Berufsleben.


十、Mache aus dem Kapitel „Marschieren“ deine persönliche Checkliste für das Berufsleben ✅

Nach der Lektüre dieses Kapitels musst du nicht sofort zu einem äußerst taktischen und berechnenden Menschen werden. Du kannst zunächst mit den folgenden Punkten beginnen:

1. Überprüfe einmal pro Woche dein persönliches „Gelände“

Frage dich:

  • Kann ich meine Stärken in meiner aktuellen Umgebung entfalten?
  • Welche Hindernisse entstehen durch meine Fähigkeiten und welche durch das System?
  • Kann ich meine Vorgehensweise anpassen oder sollte ich meine Position verändern?

2. Betrachte bei wichtigen Entscheidungen mindestens drei Arten von Signalen

Höre nicht nur auf eine einzige Darstellung. Beobachte gleichzeitig:

  • Was die andere Person sagt
  • Was die andere Person tatsächlich tut
  • Wohin die Ressourcen letztlich fließen

3. Verschiebe unumkehrbare Entscheidungen, wenn deine Emotionen ihren Höhepunkt erreicht haben

Bevor du kündigst, einen öffentlichen Konflikt beginnst, eine harte E-Mail verschickst oder eine wichtige Zusammenarbeit ablehnst, solltest du dich zunächst aus der emotionalen Flut zurückziehen.

4. Konzentriere deine Kräfte jeden Tag darauf, eine wichtige Aufgabe abzuschließen

Statt zehn Dinge gleichzeitig voranzutreiben, solltest du zunächst dafür sorgen, dass die wichtigste Aufgabe tatsächlich vorankommt.

5. Baue Vertrauen auf und wahre gleichzeitig deine Grenzen

Begegne anderen Menschen mit Wohlwollen, aber akzeptiere nicht stillschweigend jede unangemessene Forderung, nur weil du Angst vor Konflikten hast.


Fazit: Wer sicher und beständig vorangeht, kommt oft weiter als jemand, der nur schnell voranstürmt 🌱

Das neunte Kapitel des Sunzi Bingfa, „Marschieren“, beschäftigt sich auf den ersten Blick damit, wie eine Armee das Gelände auswählt, die Lage des Gegners beobachtet und ihre Soldaten führt. Tatsächlich vermittelt es jedoch auch eine äußerst wichtige Erkenntnis für das Leben:

Wahre Weisheit bedeutet nicht nur zu wissen, wie man vorankommt. Sie bedeutet auch zu wissen, wo man stehen sollte, wann man vorangehen sollte und was tatsächlich vor einem geschieht.

Das Berufsleben ist keine gerade Straße, die man allein durch harte Arbeit problemlos durchqueren kann. Es gibt Höhen und Tiefen, günstige und ungünstige Situationen, sichtbare Regeln und Signale, die unter der Oberfläche verborgen liegen.

Manchmal müssen wir einen höheren Standpunkt einnehmen, um das Gesamtziel klar zu erkennen. Manchmal müssen wir warten, bis sich die Strömung beruhigt hat, statt mitten im Chaos vorschnell eine Entscheidung zu treffen. Manchmal müssen wir einen Sumpf, der unsere Kraft aufzehrt, rechtzeitig verlassen. Und manchmal müssen wir unsere begrenzte Zeit und Energie auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren.

Für Führungskräfte bedeutet Menschenführung, dass man nicht nur auf Befehle setzen und auch nicht ausschließlich über persönliche Beziehungen sprechen darf. Zuerst Vertrauen aufzubauen und anschließend Prinzipien aufrechtzuerhalten, ermöglicht es einem Team, langfristig zusammenzuarbeiten. Für jeden einzelnen Berufstätigen wiederum bedeutet das richtige Lesen der Umgebung keine opportunistische Taktik, sondern die Fähigkeit, die eigenen Kräfte davor zu schützen, durch eine falsche Position erschöpft zu werden.

Wir können nicht immer selbst bestimmen, welchen Situationen wir begegnen. Aber wir können lernen, das Gelände zu beurteilen, in dem wir uns befinden. Wir können nicht immer die Entscheidungen anderer kontrollieren, aber wir können die Handlungen hinter ihren Worten beobachten. Wir können nicht jedes Mal am schnellsten vorankommen, aber wir können dafür sorgen, dass jeder einzelne Schritt stabiler und klarer wird.

Wirklich reifes Verhalten im Berufsleben bedeutet nicht, überall misstrauisch zu sein oder sich mit Gewalt durch jede Situation zu kämpfen. Es bedeutet, Klarheit und Flexibilität zu bewahren.

Stelle dich an das richtige Gelände, damit die Umgebung zu einer Unterstützung wird; lies die Signale richtig, damit deine Entscheidungen den Veränderungen vorausgehen; bündele deine Kräfte, damit jede Anstrengung dort eingesetzt wird, wo sie wirklich wichtig ist.

Wenn du nicht mehr nur fragst: „Wie sehr muss ich mich noch anstrengen?“, sondern beginnst zu fragen: „Stehe ich am richtigen Ort? Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um voranzugehen?“, dann hast du bereits den Schritt von bloßer Anstrengung hin zu einem wirklich strategischen Leben gemacht.

March wisely at work—know the terrain, read the signals, move with discipline.

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