In den letzten Jahren ist KI ganz unbemerkt zu einem Teil unseres täglichen Lebens geworden.
- Am Morgen im Büro: Wir lassen die KI dabei helfen, die Protokolle des gestrigen Meetings zusammenzufassen.
- Am Nachmittag beim Schreiben von E-Mails: Wir bitten die KI, den Text zu überarbeiten, damit er professioneller klingt.
- Kurz vor Feierabend: Wir geben der KI ein schwieriges Problem und schauen, ob sie uns auf neue Ideen bringt.
Wir nutzen KI, um:
- ✍️ E-Mails zu schreiben und Lebensläufe zu überarbeiten
- 📊 Besprechungsprotokolle zu strukturieren und Präsentationen zu erstellen
- 🧠 Informationen zu recherchieren und Ideen für Projekte zu entwickeln
- 👨💻 beim Programmieren zu helfen und Bugs zu beheben
All das geschieht so selbstverständlich und reibungslos,
dass wir uns kaum noch eine bestimmte Frage stellen:
„Habe ich gerade sensible Daten an die KI weitergegeben?“
Meistens geht es uns vor allem um Effizienz:
- Kann ich die Aufgabe schneller erledigen?
- Kann ich dabei weniger geistige Energie aufwenden?
- Kann ich eine Antwort bekommen, die „ganz gut aussieht“?
Deshalb denken viele Menschen zunächst:
„Das ist doch nur ein Werkzeug. Ich lade schließlich keinen Virus herunter. Es wird schon nichts passieren, oder?“
Schließlich befinden wir uns nicht in einem Hackerforum,
und wir laden auch kein verdächtiges Programm herunter.
Wir fügen einfach einen Text ein und stellen eine Frage.
Doch genau hier liegt der entscheidende Punkt –
Das Risiko von KI besteht oft nicht darin, „was du absichtlich tun wolltest“,
sondern darin, „was du unbewusst getan hast“.
Denn sobald du anfängst, KI zu nutzen, geschehen bereits still und unbemerkt einige Dinge:
- Du „gibst“ Daten in ein System ein, das du nicht vollständig kontrollierst.
- Du erlaubst einem externen System, auf deine Texte, Inhalte oder Gedanken „zuzugreifen“.
- Du beginnst, dich auf die von der KI erzeugten Ergebnisse zu verlassen und diese in deine eigenen Entscheidungen einfließen zu lassen.
Und all diese Handlungen haben im Kern mit Informationssicherheit zu tun.
Die eigentliche Frage lautet daher nicht:
„Darf man KI überhaupt verwenden?“
Sondern:
👉 „Nutzen wir KI in einer Zeit, in der sie von fast allen verwendet wird, auch sicher genug?“
Schauen wir uns im Folgenden gemeinsam an:
Welche Risiken für die Informationssicherheit KI mit sich bringt, die dir möglicherweise bisher gar nicht aufgefallen sind – und wie wir diese Risiken vermeiden können.
🧩 1. Was bedeutet „Informationssicherheit bei KI“?
Wenn wir über Informationssicherheit sprechen, denken wir intuitiv oft an:
- Hacker 🧑💻
- Ransomware 💥
- gestohlene Benutzerkonten 🔓
Doch die Informationssicherheit bei KI umfasst tatsächlich einen viel größeren Bereich.
🧠 Einfach gesagt geht es um drei Dinge
Wenn du KI nutzt, solltest du dir diese drei Fragen merken:
- Auf der Eingabeseite: Welche Daten gebe ich der KI?(Privatsphäre und Vertraulichkeit)
- Auf der Verarbeitungsseite: Werden die Daten gespeichert, analysiert oder möglicherweise sogar Teil des KI-Trainings?(Eigentum und Kontrolle)
- Auf der Ausgabeseite: Kann ich der Antwort der KI vollständig vertrauen?(Authentizität und Richtigkeit)
Wenn an nur einer dieser Stellen etwas schiefgeht, kann daraus eine Informationssicherheitskrise für ein Unternehmen oder eine Privatperson entstehen.
🍽️ 2. Warum hat die Nutzung von KI mit Informationssicherheit zu tun?
🧑🍳 Ein Beispiel aus dem Alltag
Stell dir vor, du übergibst ein internes Unternehmensdokument an eine fremde, aber sehr intelligente Person und bittest sie, die wichtigsten Punkte für dich zusammenzufassen.
Du würdest dich wahrscheinlich sofort fragen:
- 🤔 Wird diese Person die Daten heimlich speichern?
- 🤔 Wird sie die Informationen an jemand anderen weitergeben?
- 🤔 Sind die von ihr aufbereiteten Inhalte tatsächlich korrekt?
Genau so können wir uns auch KI vorstellen:
Sie verfügt über enorme Fähigkeiten, aber du weißt nicht unbedingt, was im Hintergrund mit deinen Daten geschieht.
⚠️ 3. Die 5 häufigsten KI-Sicherheitsfallen für normale Nutzer
❌ 1. „Vertrauliche Daten“ direkt in eine KI eingeben
Typische Situationen sind beispielsweise:
- Einen noch nicht veröffentlichten Vertrag in eine KI kopieren, um ihn überarbeiten zu lassen
- Eine Kundenliste zur Analyse in eine KI hochladen
- Interne Planungsunterlagen in eine kostenlose KI eingeben, um sie zusammenfassen zu lassen
📌 Der entscheidende Risikopunkt:
Sobald diese Daten übermittelt wurden, befinden sie sich in einem Cloud-System und könnten möglicherweise sogar zum Training zukünftiger Modelle verwendet werden.
Das taiwanische Technologiemedium TechOrange weist in einem Artikel darauf hin, dass bei der Einführung von KI in vielen Unternehmen unklare Grenzen bei der Datennutzung zu den am häufigsten übersehenen Risikofaktoren gehören.
🔗 „Warum Unternehmen bei der Einführung von KI ihre Informationssicherheit neu denken müssen: Die fünf häufigsten übersehenen Risikoszenarien“
https://techorange.com/2025/04/16/ai-security-highlight/
👻 2. „Shadow AI“: Du nutzt sie, aber dein Unternehmen weiß überhaupt nichts davon
Shadow AI bezeichnet:
die private Nutzung unbekannter KI-Tools durch Mitarbeiter für dienstliche Aufgaben, ohne dass das Unternehmen davon weiß oder die IT-Abteilung diese Nutzung genehmigt hat.
Zum Beispiel:
- Mit einer kostenlosen KI ein Angebot überarbeiten
- Interne Daten in eine KI für Übersetzungen kopieren
- Privat und eigenständig unbekannte generative KI-Tools verwenden
📌 Warum ist das so gefährlich?
- IT- und Informationssicherheitsabteilungen haben keinerlei Einblick
- Der Datenfluss kann nicht kontrolliert werden
- Im Falle eines Vorfalls ist die Nachverfolgung schwierig
Ein offizieller Bericht von Palo Alto Networks weist darauf hin, dass „Shadow AI“ inzwischen zu einem der neuesten und am schnellsten wachsenden Risiken für die Informationssicherheit von Unternehmen geworden ist.
🔗 Palo Alto Networks – „2025 State of Generative AI Security“
https://www.informationsecurity.com.tw/article/article_detail.aspx?aid=11996
🌀 3. KI kann „mit ernster Miene völligen Unsinn erzählen“ (AI-Halluzinationen)
KI „versteht“ Inhalte nicht wirklich wie ein Mensch, sondern generiert Inhalte auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten. Deshalb kann sie beispielsweise:
- sehr professionell wirken, obwohl die Informationen tatsächlich falsch sind (sie erzählt mit großer Überzeugung völligen Unsinn)
- nicht existierende Gesetzesartikel, Daten oder Forschungsfälle erfinden
- dir eine Antwort geben, die „plausibel, aber nicht korrekt“ ist
Dieses Phänomen wird als:
AI-Halluzination(Hallucination)
Der entscheidende Risikopunkt: Wenn eine falsche Antwort direkt für eine Entscheidung verwendet wird, kann dies zu rechtlichen Konsequenzen oder zu einem Verlust von Ansehen und Reputation führen.
Das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) weist in seinen Dokumenten zum KI-Risikomanagement ausdrücklich darauf hin:
„Ein übermäßiges Vertrauen in die Ausgaben von KI“ ist selbst ein Risiko.
🔗 NIST – Artificial Intelligence Risk Management Framework(AI RMF)
https://www.nist.gov/itl/ai-risk-management-framework
🎭 4. KI lässt Betrug und Fake News noch „echter“ wirken
KI macht Betrug zunehmend professionell.
Hacker nutzen Deepfake-Technologien, um die Stimme oder das Bild von Vorgesetzten zu fälschen, oder verfassen Social-Engineering-E-Mails, die nahezu keine offensichtlichen Schwachstellen erkennen lassen.
Vielleicht haben Sie bereits von solchen Fällen in den Nachrichten gehört:
- Die Stimme des Chefs wird gefälscht, um eine Überweisung zu verlangen
- Gefälschte Videokonferenzen mit Führungskräften
- Hochgradig personalisierte Phishing-E-Mails, die nahezu keine offensichtlichen Fehler aufweisen
Der entscheidende Risikofaktor: Wenn betrügerische Inhalte „zu echt“ wirken, kann der intuitive Alarmmechanismus des Menschen versagen.
Hinter vielen dieser Fälle steckt die Technologie des KI-gestützten Deepfakes.
CIO Taiwan weist bei der Analyse der Risiken generativer KI darauf hin, dass KI zunehmend dazu eingesetzt wird, Social Engineering und die Präzision von Betrugsversuchen zu verstärken.
🔗 „Das zweischneidige Schwert der Informationssicherheit: Die drei größten Risiken und Chancen generativer KI“|CIO Taiwan
https://www.cio.com.tw/102645/
🔗 5. Auch KI-Tools, Plug-ins und die Modelle selbst können Risiken bergen
Viele Menschen installieren KI-Plug-ins oder Chrome-Erweiterungen. Die Sicherheitsstandards dieser Tools können jedoch sehr unterschiedlich sein.
Die von Ihnen verwendeten KI-Tools sind im Hintergrund häufig mit folgenden Komponenten verbunden:
- Drittanbieterdienste
- Externe Datenquellen
- Plug-ins und APIs
Der entscheidende Risikofaktor: Unsichere Plug-ins können zu einem Hintereingang für Datenlecks werden.
Die internationale gemeinnützige Organisation für Informationssicherheit OWASP hat in ihrem offiziellen Projekt unter anderem folgende Risiken zusammengestellt:
Die zehn häufigsten Risiken bei Anwendungen mit KI und Large Language Models – darunter Prompt Injection, Datenlecks und übermäßiges Vertrauen in KI-Ausgaben.
🔗 OWASP – Top 10 for Large Language Model Applications
https://owasp.org/www-project-top-10-for-large-language-model-applications/
✅ 4. Wie kann man KI als normaler Nutzer „sicher“ verwenden?
Die gute Nachricht ist:
👉 Sie müssen kein Ingenieur oder IT-Experte sein, um bereits 80 % der grundlegenden Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Entwickeln Sie die folgenden mentalen Schutzbarrieren:
🛡️ 8 praktische Grundregeln für normale Nutzer
- Personenbezogene Daten entfernen: Wenn Sie einen Text von der KI überarbeiten lassen möchten, entfernen Sie konkrete Namen, Firmennamen und Geldbeträge.
- KI als Assistenten betrachten: Betrachten Sie KI als Assistenten und nicht als endgültigen Entscheidungsträger. Die Ergebnisse müssen von einem Menschen überprüft werden.
- Unternehmensversionen verwenden: Wenn Ihr Unternehmen eine kostenpflichtige Enterprise-KI anbietet, verwenden Sie möglichst diese. Solche Angebote verfügen in der Regel über strengere Datenschutz- und Vertraulichkeitszusagen.
- Fakten überprüfen: Wenn die KI Daten nennt oder sich auf Gesetze und Rechtsvorschriften beruft, sollten Sie diese Informationen unbedingt noch einmal überprüfen.
- Bei ungewöhnlichen Situationen aufmerksam sein: Wenn ein ungewöhnlich realistisches Video oder eine Stimme zu sensiblen Handlungen wie „Überweisungen“ oder „Autorisierungen“ auffordert, bestätigen Sie die Aufforderung unbedingt über einen zweiten, unabhängigen Kommunikationsweg.
- Vorgaben beachten: Informieren Sie sich über die von Ihrem Unternehmen festgelegten Regeln zur Nutzung von KI und halten Sie diese ein.
- Berechtigungen prüfen: Überprüfen Sie vor der Installation eines KI-Plug-ins die Vertrauenswürdigkeit des Entwicklers und vermeiden Sie es, unnötig weitreichende Berechtigungen zu erteilen.
- Die Gewissensfrage stellen: Fragen Sie sich vor dem Klick auf „Senden“: „Wenn dieser Text morgen auf der Titelseite einer Zeitung erscheinen würde – könnte ich damit leben?“
🌱 5. Fazit: Informationssicherheit ist eine „Kompetenz des KI-Zeitalters“
KI ist wie ein extrem scharfes zweischneidiges Schwert: 🔪
- Richtig eingesetzt, explodiert die Effizienz
- Falsch eingesetzt, sind die Risiken enorm
Informationssicherheit ist längst nicht mehr nur eine Aufgabe der IT-Abteilung, sondern gehört zu den grundlegenden Kompetenzen jedes KI-Nutzers.
In einer Zeit, in der alle danach streben, mit KI einen höheren Mehrwert und mehr Produktivität zu erzielen, kann KI nur dann zu einer langfristigen und starken Unterstützung werden, wenn wir sie sicher einsetzen.
Informationssicherheit ist nicht die Verantwortung von IT-Experten, sondern eine grundlegende Kompetenz jedes Nutzers.
Im Zeitalter der KI ist es wichtig, KI nutzen zu können.
Doch noch wichtiger ist es, KI sicher zu nutzen.




